Das COVID19-Intensivparadox

Mit den Zahlen von heute – fast 30.000 Neuinfizierte und einem I-Wert von 160 – kann man von einem exponentiellem Wachstum sprechen.
Und doch zeigen die Zahlen der Intensivbetten, gleichbedeutend mit den so genannten schweren COVID19-Verläufen, keinen entsprechenden Anstieg. Dieser ergibt sich zwar meist zeitversetzt, sodaß die die Mahnungen der Mediziner hier noch immer berechtigt sind. Es muss einen harten Lockdown mit einem klaren Akzent auf der Mobilität geben.

Die SARS-Cov2-Gesamtmortalität (Exzessmortalität) liegt immer noch bei 5,4% (gegenüber 0,1% bei “normaler” Grippe-Influenza) Hasibeder W, Anaethesie-News 2020

Und doch kann diese Diskrepanz zwischen hohen Infektionszahlen und fehlender Überlastung der ICUs einen anderen Grund haben: die fortschreitende “Durchimpfung” der Bevölkerung von jetzt 16,9 bezw. 6,2% (Zweitimpfung), die selbst wenn sie noch bei weitem nicht die “Herdenimmunität” erreicht hat, könnte die so genannt “schweren Verläufe” zumindest reduziert haben.

Leider fehlen bisher Zahlen zu diesem wichtigen Effekt einer belastbaren Aussage zur Verminderung der Schwerverläufe. Denn dieser ist einer der wichtigste Vorteile einer Impfung mit mRNA-Vakzinen wie von Biontech oder Moderna. Man wird zwar nicht weniger infektiös (auch das scheint der Fall zu ein – ebenfalls ohne belastbare Zahlen), aber der Coronaverlauf ist dann fast der einer schweren Grippe, also ähnlich tolerabel mit entsprechenden Lockerungen der Alltagsszenerie. Das entspricht auch den Empfehlungen des Deutschen Ethikrats und des RKI, nach denen vollständig Geimpfte ähnlich behandelt werden könnten wie Personen kmti negativem Schnelltest (unter Berücksichtigung der Unsicherheiten des Tests).

Es fehlen fast überall zu diesen drängenden Fragen der Pandemie weiterhin zureichend sichere wissenschaftliche Erkenntnisse. Das ist ein großer Nachteil unserer aktuellen Wissenschaftsszene!