Der ADFC und das Helmproblem der Radler

Der SR hat in einem seiner letzten Aktuellen Berichte lobenswerte Schwerpunkte auf das Radfahren gesetzt, leider aber mit der Negativinformation, dass Unfälle in den letzten Monaten zugenommen hätten (wir haben das bereits kommentiert). Sowohl die Unfallchefs der Uniklinik Homburg als auch des Winterbergklinikums haben in der Sendung vehement darauf hingewiesen, dass die schweren Unfälle mit Kopfverletzungen und Schädelhirntraumata effektiv vermeidbar wären, wenn ein Helm getragen würde oder wenn es eine allgemeine Helmpflicht für Radfahrer geben würde – eine Meinung, die wir von den Pedelecgruppen der HGS schon lange vertreten.

In der letzten SR-Sendung dazu kamen nun auch der ADFC Saar und sein Vorsitzender Fläschner dazu, dies zu kommentieren. Was aber sagte Herr Fläschner, den wir als Unterstützer unsere Pedelecprojekte kennen und schätzen lernten und den wir für einen sehr kompetenten und sachlichen Gesprächspartner bei allen Fragen des Radfahrens halten (oder besser: gehalten haben?). Herr Fläschner sagte und wiederholte dabei die offizielle Haltung des ADFC:

„Wir haben gar nichts gegen das Helmtragen, das ist gut und wichtig, aber eine Helmpflicht wäre kontraproduktiv, denn dadurch, denken wir, werden weniger Leute Radfahren. Wenn weniger Leute radfahren, gerade im Saarland, dann wird das Radfahren auch unsicherer. Man hätte auf anderer Ebene vielleicht wieder eine Zunahme von Radunfällen, da wäre nichts gewonnen…“

Lieber Herr Fläschner, was soll man dazu sagen? Die medizinische Fachwelt ist für eine Helmpflicht, um tödliche Unfälle mit Kopfverletzungen zu vermeiden. 70% der Fahrradunfälle sind Unfälle mit Kopfbeteiligung; 4 von 5 hätten mit Helm dabei vermieden werden können (Studie 2017).

Selbst wenn es Studien gibt, etwa aus Australien, die eine Reduktion der Radfahrhäufigkeit um 20% markieren, kann man, ohne sich dem Vorwurf des Zynismus auszusetzen, nicht argumentieren, u.a. dass dann die Unfälle wieder zunehmen würden. Welche Unfälle? Leichtere eben, ohne Kopfverletzungen. Das Argument der Abnahme der Fahrradnutzung zieht auch nicht – als der Sicherheitsgurt im Auto eingeführt wurde, war man der gleichen Ansicht – und selten hat die Autoindustrie einen stärkeren Boom erlebt als nach der Gurtpflicht-Einführung.

Der ADFC hat also kaum Gründe, sich einer gesetzlichen Helmpflicht zu widersetzen. Der ADFC sollte diese Helmpflicht empfehlen.

Lit.: Accid.Anal.Prev.1996 Jul;28(4):463-75, BMJ 2013;346:f2674