Der Herznotfall im Sport

Aus gegebenem Anlass – der Fussball-EM 2021 – kann man das Problem des Herzkreislauf-Notfalls bei sportlicher Aktivität erneut diskutieren.

Der traurige Vorfall, mit jedoch erfreulichem Verlauf, war ein Kreislaufstillstand (nicht: Herzstillstand) bei dem dänischem Mittelfeldspieler, der in Spiel der Vorrunde gegen Finnland eintrat. Der Spieler konnte durch korrektes Zusammenpiel von Ersthelfer und Reanimations-Team in stabilem Kreislaufzustand in das Krankenhaus verbracht werden. Die primäre Ursache war Kammerflimmern, das ohne spezielle Behandlung (Defibrillation) zum Tode geführt hätte.

Nach überstandenem Kreislaufstillstand muss nach der Ursache gesucht werden; im Fall des 29jährigen Dänen scheint ein Herzinfarkt als Ursache diskutiert worden zu sein, der allerdings in diesem Alter extrem selten ist und durch Koronarangiografie verifiziert (gesichert) werden muss. Man diskutiert dabei auch die Auslösung eines Infarkts durch exzessivem Verbrauch von Schmerzmitteln (etwa Ibuprofen), der bei Fussballern mit bis zu 40% angegeben wird. Dem Sportler wurde dann ein ICD eingebaut, um ihn vor solchen Zwischenfällen zu schützen. Die Indikation dafür ist nicht bekannt, doch wird er bei einer schweren Herzmuskelschädigung etwa nach Myokarditis oder Herzinfarkt verwendet. Eine weitere Indikation ist eine angeborene Neigung zu bösartigen Herzrhythmusstörungen (Brugada-Syndrom, Long-QT-Syndrom). Hierzu ist aber eine spezielle Herzuntersuchung (EPU) notwendig.

Die meist dramatischen Vorfälle beim Profifussball, aber auch bei andern Hochleistungssportarten ist in neueren Veröffentlichungen genauer untersucht worden. So wird die Häufigkeit solcher Ereignisse mit 0,7/100.000/Jahr angegeben, ist also sehr selten (etwa MSD-Manual 2019). Als Ursache können erkannt werden:

Oft bleiben diese Grundkrankheiten aber unerkannt, sodaß die Kardiologen fordern, dass bei Hochleistunssportlern immer eine kardiologische Eingangsuntersuchung sowie regelmäßige Kontrollen erfolgen müssen. Dies ist aber auch bei jeder Art von regelmäßiger sportlicher Tätigkeit mit Trainingsanspruch notwendig.

Koronarsport (Herzsport)

Hier geht es aber auch um die Frage, wie häufig schwere und ernsthafte Zwischenfälle bei den “Koronarsportlern” sind und darum, ob eine Arztpräsenz immer dringend notwendig ist. Reanimationspflichtige Zwischenfälle (Kreislaufstillstand) sind in den bisherigen Berichten extrem selten. Nach einer Arbeit aus 2004 (Bjarnason, Löllgen) liegt diese bei etwa 1:750.000. In neuerer Zeit (Pavy 2006) sind in einem großen französischen Register 0 (Null) tödliche Zwischenfälle bei 25.000 Teilnehmern (Beobachtungszeitraum 1 Jahr) aufgetreten.

Das liegt einmal an der Intensität der sportlichen Aktivität, die meist niedrig ist, und zu andern daran, dass die Teilnehmer bestimmten Eingangskriterien, etwa der Belastbarkeit von 1,5 Watt/kg KG, genügen müssen, um in eine Trainingsgruppe, oder der Belastbarkeit von 0,5 Watt/kg KG, um in eine Übungsguppe eingebunden zu werden. 5% der Patienten im Kreislaufstillstand immerhin konnten erfolgreich wiederbelebt werden, was nach den Zahlen Gräsners (2014), der eine Erfolsgrate von 10% angibt, sehr niedrig erscheint. Es fehlen allerdings neuere Zahlen.

Reanimationstraining (HDM-Training):

Da ein ernster Herznotfall (Kreislaufstillstand) auch bei Herzsportteilnehmern zwar extrem selten, aber nicht auszuschließen ist, müssen die Teilnehmer, besonders aber die Übungsleiter an regelmäßigen CPR-Trainings (CPR=cardio-pulmonale Reanimation) teilnehmen. Der Begriff CPR ist aber als veraltet anzusehen, da die pulmonale Komponente, die Atemspende, nicht mehr gefordert wird. Besser ist daher der Begriff BLS oder basic life support, dem ALS oder Advanced life support gegenübergestellt wird. BLS bnezeht heute aus den Komponenten HDM und AED

BLS für Teilnehmer ist kritisch einzuordnen: Oft kann der beträchtliche Kraftaufwand bei der HDM von den älteren Teilnehmern der Gruppe nicht aufgebracht werden, doch sollten sie unter Anleitung trainieren, über den Ablauf und Standort sowie Anwendung des AED aufgeklärt sein.

Wiederbelebungs-Information