Impfstoff v. Biontech in Europa zugelassen

Da besonders in den Herzgruppen mit ihrem Anteil Älterer ein hohes Interesse am Status quo  in oder wegen einer medial maximal überhöhten Berichterstattung besteht, hier die aktuelle Situation:

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer ist von der European Medicines Agency EMA gestern zugelassen und unmittelbar danach vom Europäischen Parlament genehmigt worden. Die Impflogistik, mit hohem Aufwand überall in der Republik eingerichtet, kann nun starten. Die Impftreue der Republik liegt derzeit bei 50%, wenn man also 70% effektive Impfungen erreichen will, um ein ausreichendes Niveau einer Immunität zu erzielen (“Herdenimmunität”), reicht das noch nicht. Wegen der geradezu atemberaubenden Schnelligkeit des Zulassungsverfahrens in den USA und im UK aber auch bei uns herrscht eine gewisse Impfskeptik vor. Hier kommen aber doch ein paar gute Nachrichten:

  1. Die international  renommierte Zeitschrift New England Journal of Medicine NEJM hat die BionTech-Studie neuerdings veröffentlicht und daher ein wissenschaftliches Gütesiegel vergeben. Ob es berechtigt ist, wird die nahe Zukunft zeigen (DOI: 10.1056/NEJMoa2034577)
  2. Die Phase III der Pfizer-Studie ist nahtlos in die Phase IV, d.h eine Studienphase, bei der die realen Bedingungen geprüft werden, übergegangen.
  3. Das Paul-Ehrlich-Institut PEI hat eine Nachverfolgungs-Studie geplant, aus der aber bisher keine verlässlichen Daten bekannt geworden sind (wie designt, wie praktisch durchgedacht und durchgeführt und wo niedergelegt?). Offenbar ist auch eine App im Gespräch, die aber hoffentlich besser arbeiten wird als die ominöse und eher wirkungsfreie Corona-Warn-App.

Summarisch kann man daher sagen, dass eine Impf-Skepsis vielleicht noch vertretbar ist, doch wenn ein “spontaner” Feldversuch über die nächsten Wochen erfolgreich verläuft (keine schweren Zwischenfälle und ein nachweisbarer Impfschutz, am besten durch zurückgehende Inzidenzen), kann man eine Impfung empfehlen. Bisher (Umfrage WELT) haben sich 57% für, 13% gegen eine Impfung ausgesprochen und immerhin 30% der Befragten wollen abwarten.

Ein weiterer Gesichtspunkt ist aber die “neue” Mutationsvariante des SARS-CoV2-Virus, die in England gesehen wurde und nach ungesicherten Daten eine bis zu 70mal höher Infektionsrate bei schwächerem Verlauf aufweisen soll als “unser Virus”. Dies ist zwar im Moment reiner populistischer Alarmismus, wie so oft heutzutage, aber die superschnell beantwortete Frage (die wissenschaftlich bisher noch niemand gestellt hat) wird bereits positiv beantwortet: Ja, der Stoff wirkt auch gegen diese Mutante.

Hier nun sei die Anmerkung erlaubt, dass es unwissenschaftlicher nun wirklich nicht mehr zugehen kann. Das Statement wird bereits in den Medien gehandelt und damit ist das Thema für sie vom Tisch. Das ist hochgradig irreführend und falls es dann wirklich zu einem Wirkungsverlust kommt, dann sind Opfer zu beklagen. Hier sollte sehr schnell eine ad-hoc-Studie anlaufen und diese Frage beantworten. Aber vielleicht ist die Mutante ja doch nicht “so schlimm”, denn die englischen Aussagen sind auch eher Momentaufnahmen.