Remdesivir Update

Stand 16.Oktober 2020

Da eine neue Studie der WHO (preprint on MEDRXIV doi: https://doi.org/10.1101/2020.10.15.20209817)
nahegelegt hat, dass Remdesivir keine signifikante Wirkung auf Mortalität und klinisches Outcome von SARS-Cov2-Patienten aufweist, ist es hilfreich, den Literaturstand zu diesem Medikament, das immerhin Trump, wie er sagt, auf die Beine geholfen hat, aufzulisten.

Die erste Veröffentlichung zu diesem Mittel ist am 16.5.2020, also zur Zeit der ersten Welle, in Lancet erschienen (doi: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)31022-9) und betraf ein doppelblindes RCT an 10 Kliniken in der Hotspot-Region Hubei an 235 Patienten (158 Aktivgruppe, 79 Kontrollgruppe). Die Endpunkte waren klinische Verbesserung oder Entlassung aus dem KH nach 28 Tagen. Die Kernaussage war, dass die Patienten der Aktivgruppe sich schneller erholten als die Placebogruppe, wobei diese Ergebnisse nicht statistisch signifikant waren. Ausserdem musste die Behandlung wegen adverser Reaktionen bei 66% unterbrochen werden. Die Studie endet mit der Empfehlung zu weiteren, größeren klinischen Trials in naher Zukunft sowie zum Einsatz als „compassionate use“ (Heilversuch) ohne wissenschaftlich begründbare Aussagen, sozusagen als situative Fallberichte.

Das hat aber dazu geführt, dass wegen des enormen, auch politischen Drucks das Medikament Remdesivir neben anderen (z.B. Chloroquin) bereits zur Behandlung freigegeben wurde und die Firma Gilead (USA) Millionen Dosen bereitstellte. Hier ging Schnelligkeit vor Sorgfalt, und es ist zu begrüßen, dass die WHO in einer multizentrischen Großstudie diesem Mangel abzuhelfen versucht. Die Studie an 11300 Patienten aus 405 Kliniken trägt den Namen „Solidarity Trial“ und ist als Preprint (wie unsere Studie bei MEDRXIV!) erschienen, also noch nicht peer reviewed. Dennoch lassen die Ergebnisse, die sich auf Remdesivir, Hydroxychloroquin, Interferon und das HIV-Mittel Lopinavir beziehen, aufhorchen.

Die Conclusion oder das Fazit lautet
„Die verwandten Mittel Remdesivir, Hydroxychloroquine, Lopinavir und Interferon wiesen nur geringe oder keine Effekte auf.
Mortalität, Beatmungsbeginn oder Hospitaldauer zeigten keinerlei Unterschiede.“

Daher ist es wohl angebracht, eine Behandlungsempfehlung zu Remdesivir vorläufig nicht mehr abzugeben!