Wann Sport nach Corona-Infektion?

In der Zeitschrift JAMA (Journal of the American Medical Association) vom 13. Mai 2020 ist ein Artikel zur wichtigen Frage erschienen, wann ein Patient, der eine SARS-CoV2 Infektion überstanden hat, wieder Sport treiben oder körperlich aktiv sein kann. Dabei geht man zunehmend davon aus, dass diese Infektion als Systemerkrankung gelten sollte, also nicht nur die Lungen, sondern auch andere Organe betreffen kann, zum Beispiel Gehirn oder Nieren, aber besonders das Herz mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Myokarditis. Diese tritt mit einer Häufigkeit von 22% auf und Erkenntnisse über Langzeitverläufe sind bisher nicht publiziert worden. Die Evidenzbasis ist derzeit aber noch dünn.

Die amerikanische Gesellschaft AMA hat dennoch „rules for return to play“ veröffentlicht, die sich auf eine mögliche Herzbeteiligung beziehen, aber leider die häufige Lungenbeteiligung noch außer acht lassen. Dennoch sollten folgende Empfehlungen für positiv getestete Patienten beachtet werden:

  1. Asymptomatisch infizierte Patienten: Nach positivem Testergebnis soll zwei Wochen lang auf körperliche Belastung verzichtet werden. Dabei ist sorgfältig darauf zu achten, ob nicht doch noch Symptome oder eine Verschlechterung eintreten. Wenn das nicht der Fall ist, kann nach zwei Wochen langsam wieder mit dem Training begonnen werden.
  2. Ambulanten COVID-19-Kranken mit leichten bis mittelschweren Symptomen wird geraten, das Training auch nach dem Verschwinden der Symptome für mindestens zwei weitere Wochen komplett auszusetzen. Danach soll der Patient erst einmal kardiologisch untersucht werden. Nur wenn hsTn, 12-Kanal-EKG und Herz-Echo ohne Befund sind, kann eine langsame Rückkehr zu sportlichen Aktivitäten erfolgen. Dabei soll der Genesene weiter auf etwaige Verschlechterungen hin überwacht werden.
  3. Sind Labor und/oder Bildgebung dagegen auffällig, empfehlen die Experten die „Return to play“-Leitlinien für Myokarditispatienten zu befolgen. Voraussetzung für die Wiederaufnahme des Trainings ist danach, dass die Kammerfunktion normal ist, die Entzündungsmarker nicht erhöht sind und keine Arrhythmien induzierbar sind. Die entsprechenden Tests durch Echo, Belastungstests und Rhythmuskontrollen erfolgt nach drei bis sechs Monaten, in denen nur eingeschränkte körperliche Aktivität erlaubt ist.
  4. Stationäre COVID-19-Patienten mit erheblichen Symptomen: Falls die kardiologischen Untersuchungen im Krankenhaus negativ waren, soll bei den Sportlern frühestens nach zwei Wochen Symptomfreiheit eine ärztliche Beurteilung im Hinblick auf die Belastbarkeit erfolgen; falls nicht im Krankenhaus geschehen, unter Einbeziehung von kardiologischen Untersuchungen.

(zit. n. Ärztezeitung v. 13.5.2020)

Als richtungweisende Untersuchungen werden genannt:

  1. hochsensitives Troponin hsTN, CRP, NT pro BNP
  2. EKG und Langzeit-EKG
  3. Echokardiografie
  4. weitere Bildgebung je nach Bedarf (z.B. Koronarangiografie)
  5. Ergometrie
Als Fazit kann gelten, dass ein körperliches Training nach einer Corona-Infektion sehr moderat und verzögert wieder aufgenommen werden sollte und die Aktivitätspause zwischen 14 Tagen und 6 Monaten liegt.