Zur Frage der Virus-Mutationen

Viren haben die Eigenschaft, rasch und in der Regel überlebensbezogen zu mutieren. Das ist ein komplizierter Vorgang, der aber aktuell zu neuen Virenstämmen bei SARS-CoV2 geführt hat. Diese sind, soweit bekannt, erstmalig im UK aufgetreten und scheinen den Makel einer erhöhten Infektiosität zu besitzen. Eine zweite Mutation scheint in Südafrika beobachtet worden zu sein. Alle diese Befunde sind derzeit nicht evidenzbasiert, d.h. es gibt keine Studien zur Häufigkeit und/oder Virulenz dieser Mutationen. Die hohen Inzidenzen in UK scheinen die These einer erhöhten Infektiosität zu belegen.

Die Umstände werden weiter kompliziert durch die dringende Frage, ob die Impfung mit dem Biontech-Vakzin (oder anderen) auch gegen die Mutationen schützt, d.h. eine ähnliche oder gar identische Immunantwort erzeugt. Dies Frage ist schon deshalb dringend, weil wir nicht nur die Menschen höchster Priorität zu impfen beginnen, sondern auch irgendwann die Massenimpfungen starten werden, um die berüchtigte “Herdenimmunität” zu erzeugen. Das wird aber nach Expertenmeinung erst, wenn überhaupt, in 2022 erreichbar sein.

Um so wichtiger ist es, eine Evidenz darüber zu schaffen, ob die Impfung gegen die Mutationen schützt oder nicht. Letzteres wäre eine Katastrophe. Nun haben Forscher in Serum-Experimenten von 20 geimpften Probanden untersucht. ob eine zelluläre Wirkung der einen Mutation (UK) vorhanden ist oder nicht. Bei dieser einen Mutation konnte “im Reagenzglas” eine positive Wirkung beobachtet werden (preprint bei BIOrxiv; DOI: https://doi.org/10.1101/2021.01.07.425740).
Das ist aber wissenschaftlich nur teilweise brauchbar, weil keine klinische Studie vorliegt, die diese Beobachtungen stützen. Oft weichen klinische Studien in der realen Umgebung von den experimentellen Ergebnissen deutlich ab. Eine klinische Studie mit ausreichender Power würde aber hohe Zahlen und lange Laufzeiten bedingen. Das können wir nicht abwarten. Was also tun?

Es gibt die Möglichkeit der Verlaufskontrolle in einer klinischen Studienphase IV, in de wir uns ja jetzt befinden. Hier sind sorgfältige Planungen und Designs notwendig, die es meine Wissens bisher nicht gibt.

  • Eine Voraussetzung wäre die präzise Sequenzierung der Tests, die es bisher in Deutschland nicht gibt.
  • Eine zweite wäre aus dem Verlauf der Impfungen abzuleiten, wobei eine wirksame Immunisierung durch drastische (signifikante) Abnahme der Infektionszahlen, der Inzidenzen und der Todesfälle nachzuweisen wäre.

Solange aber nur experimentelle Hinweise gegeben sind, bleibt nur das Prinzip Hoffnung. Oder das oft zitierte “Licht am Ende des Tunnels”.